Antisemitismus und Verschwörungsideologien im Schulkontext

Die Schule ist eine wichtige gesellschaftliche Institution und Sozialisierungsinstanz für junge Menschen. Doch rechtsextreme, rassistische, rechtspopulistische, antisemitische und verschwörungsideologische Haltungen gibt es auch an Schulen. Umso wichtiger ist es, dass deren pädagogisches Personal für diese Themen sensibel ist und sich im Umgang handlungssicher fühlt.

So hat ein Lehramtsanwärter Rat bei der MBR gesucht, nachdem sich zwei Schüler seines Geschichtskurses an ihn gewendet hatten, weil Mitschüler_innen mehrfach Bilder mit antisemitischen und verschwörungsideologischen Inhalten in einem Klassenchat geteilt hatten. Der Lehramtswärter fragte sich, wie er mit der Situation umgehen solle.

Wie kann die MBR in einem solchen Fall unterstützen?

Die MBR hat zunächst gemeinsam mit dem Lehramtsanwärter die Inhalte ausgewertet, die über die Memes und Bilder transportierten wurden. Anschließend wurde erörtert, ob die Vorfälle eher als Provokation zu werten sind und auf einen distanzlosen Umgang mit Bildern, Sprache und Symbolen, die antisemitische und verschwörungsideologische Inhalte transportieren, hindeuten, oder ob es Anzeichen für ein sich festigendes antisemitisches Weltbild bei den Schüler_innen gibt, welche die Bilder gepostet haben. Hinweise könnten etwa wiederholte antisemitische oder verschwörungsideologische Aussagen der Schüler_innen sein – dann wären vor allem die Lehrer_innen gefragt. Auch die Klassengemeinschaft und die Schule als ganze wurden in die Analyse einbezogen: Wie haben die Lehrer_innen bisher auf Vorfälle reagiert? Wie sensibilisiert ist das Kollegium für die Themen Antisemitismus und Verschwörungserzählungen? Wie werden solche oder ähnliche Fälle in der Schule bearbeitet? Gibt es Unterstützung aus dem Kollegium und von der Schulleitung?

Aufbauend auf der Analyse wurden mit dem Lehramtsanwärter verschiedene Ansätze und Ideen entwickelt, die von ihm und den Lehrer_innen verfolgt werden könnten, von Einzelgesprächen mit den Schüler_innen über Unterrichtseinheiten zum Thema Antisemitismus im Kontext von Verschwörungsmythen und die Stärkung digitaler Kompetenzen bis hin zur Einbeziehung externer Bildungsträger, die thematisch passende Projekte und Projekttage an der Schule anbieten könnten. Ziel war es, nicht nur die Schüler_innen zu adressieren, von denen die Posts ausgingen, sondern auch die anderen Schüler_innen aus der Klassengemeinschaft in ihrer demokratischen Haltung zu stärken. Fortbildungen und kollegiale Beratungen durch z.B. die MBR können zudem auch dem Kollegium zu mehr Sensibilität und Handlungssicherheit im Umgang mit solchen Vorfällen verhelfen.